Dauerstress ist schlecht und verändert das Gehirn

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Allegorie:

Wirft man einen Frosch in kochendes Wasser,
springt er sofort heraus.
Setzt man ihn hingegen in einen Topf mit kaltem Wasser,
das man langsam zum Kochen bringt,
wird er langsam zu Tode gekocht,
weil er die Temperaturveränderung kaum spürt.

 

Erkennen Sie die Parallele? Die moderne Arbeitswelt fordert uns viel mehr heraus als es uns bewußt ist und der Erschöpfungsprozess kommt in den meisten Fällen langsam, schleichend und daher unmerklich einher. Und genau das verändert langsam und unaufhörlich unser Gehirn. Dadurch bleibt der Cortisolspiegel konstant hoch. Die unangenehmen Folgen können Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafstörungen, Appetitverlust, Verdauungsprobleme und unangenehmerweise auch eine nachlassende Libido sein. Stress macht auch noch vergesslich – Dauerstress im Job mindert die Gedächtnisleistung. Mit möglicherweise unumkehrbaren Folgen, denn auch das Risiko, an Demenz zu erkranken, nimmt im Alter durch Dauerstress enorm zu. Das Gehirn vergisst diesen Stress nicht, es versucht ihn zu vergessen!!!

Man kann nicht mehr einfach auf Entspannung umschalten, den Prozess anhalten. Dieser Stress ist überall in unserem Leben verankert. Wir sind mit dem Bleifuß und im Autopilot-Modus auf der Stressautobahn in Höchstgeschwindigkeit unterwegs und halten es so lange für normal und unveränderbar, bis die Psyche oder der Körper so massive Alarmanzeichen zeigen, dass wir sie nicht mehr übersehen können.

Die Erschöpfungsdepression als Erstreaktion auf Dauerstressabbie bernet y8OPPvo 5mU unsplash

Oft folgt dann eine durchaus unangenehme Erschöpfungsdepression. Häufig, aber nicht immer, wird sie ausgelöst durch den Arbeitsplatz, sei es die Aufgabe an sich, sei es durch schwierige Beziehungen zu Kollegen oder Vorgesetzten oder seien es unverarbeitete Probleme aus der Kindheit. Es fängt häufig mit Unlust, Verweigerung und Sinnverlust an und kann im schlimmsten Fall in der Arbeitsunfähigkeit enden.

Die meisten Menschen vermuten dann, es müsse sich etwas in ihrem Umfeld ändern und arbeiten intensiv daran, verausgaben sich ohne zu bemerken: der Stress kommt von innen, von den eigenen – OFT UNBEWUSSTEN - Anforderungen an sich selbst. Und die Werte unserer Leistungsgesellschaft verstärken diese Haltung, werden wir doch von Anfang an, spätestens ab der Grundschule, auf Leistung getrimmt.

Und erst wenn auch dafür die Kraft ausgeht, beginnt der oft sehr schwierige Weg nach innen. Viele Menschen empfinden das als sehr schwierig, weil es ihnen unbekannt ist, ungewohnt ist und weil tief im Innersten eine grimmige Instanz – der innere Kritiker -zu warten scheint, die nur Fehler und Untaten aufzuzeigen hat. Man macht sich auf in den inneren Urwald, in dem es keine ausgetretenen Pfade zu geben scheint, denen man folgen könnte.

Der gnadenlose innere Kritiker

Dieser innere Kritiker ist die Summe aller Kritiker, denen wir im Außen jemals begegnet sind, vor allem denjenigen, die uns am härtesten kritisierten, bestraften oder heruntermachten. Verständlicherweise hat man vor dem Angst: er ist mit sehr unangenehmen Erinnerungen und Gefühlen verbunden, die wir tief im Innersten gebunkert, eingesperrt und nur scheinbar "vergessen" haben. Das ist dann die Erschöpfungsdepression: ich bin machtlos, kann nichts tun, meine Leistung nicht mehr steigern und ich habe weder Kraft noch Lust übrig, das überhaupt noch einmal zu versuchen.

Und dann noch BURNOUT

Fotolia 60229158 XS Wordcloud Burnout StressIm allerschlimmsten Fall wachen sie eines Morgens auf und wissen, jetzt geht GAR NICHTS MEHR! Es gibt aber nichts anderes als die Arbeit, die ihnen ein gutes Gefühl gibt. Die Verzweiflung darüber ist oft grenzenlos und die damit einhergehende Hilflosigkeit ebenfalls! Es heißt dann, es sei die fehlende Work-Life-Balance. Das stimmt auch. Doch Betroffene haben wie der o.g. Frosch nicht die geringste Ahnung, geschweige denn die Kraft dazu, hier in diesem Stadium selbst jetzt noch etwas zu verändern.Das nennt man dann Burnout. Und diese Krankheit wird von den Krankenkassen in unserem Lande als Krankheit nicht wirklich anerkannt.

Wird es nicht erkannt, nicht behandelt, werden nur Psychopharmaka verabreicht, die von der armen Seele nur verlangen, dass sie weitermacht, funktioniert wie eine Maschine ohne Sinn und Erfüllung, dann folgen weitere Symptome: Ängste, Panikattacken, chronische Schmerzen und ganz schlimm: Herzinfarkt.

Man hat zu viel gearbeitet, soziale Aktivitäten schon lange vernachlässigt, sich oft schnell nebenbei und ungesund ernährt, nicht genug Flüssigkeit zu sich genommen, keine Zeit für Sport mehr gefunden, hat sich mit immer besseren Argumenten gnadenlos angetrieben wie einen Galeerensklaven. Und genau dafür bekam man ja auch Anerkennung in Form von Beförderungen oder Gehaltssteigerungen und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Erfolg und der vielleicht neidvollen Anerkennung im Umfeld.

Das ist ein Labyrinth, aus dem man nicht einfach herausstiefelt!

Viele Ärzte benutzen nicht einmal den bekannten WHO Test, der zwischen Burnout und Depression unterscheiden hilft. Die Symptome reichen, um ein Rezept für Psychopharmaka zu bekommen. Und wenn dann das System wieder funktioniert, wer fragt nach der Seele, dem Sinn?

Dabei ist eine ausführliche Anamnese wirklich wichtig. Gibt oder gab es in der Familie andere Depressive? Gab es Selbstmorde? Hat der Patient Schlimmes in der Kindheit erlebt? Wie ist seine aktuelle Lebenssituation? Gibt es schwerwiegende Probleme zuhause oder am Arbeitsplatz?

Der Dauerstress hat also das Gehirn verändert. Wir denken nur noch funktional, negativ, aggressiv, das Menschliche in uns unterdrückend. Stress hat heute jeder. Wehe er hat keinen! Dann kann er doch nur ein Looser sein – oder? Mir scheint manchmal, als würden wir alle psychisch ausbrennen. Bei mir tauchen immer mehr Jugendliche im Teenager Alter auf, die schon diese Symptome haben!

Es kann eine Depression folgen, muss aber nicht: doch ca. 50 % aller Burnout-Diagnosen enden in einer Depression!

Depression als Folge von Dauerstress mit hoher Dunkelziffer bei Männernbusiness coaching slider

Oft wird das lange Zeit ertragen, und dann erkrankt inzwischen jeder 5. An Depression. Genauer gesagt, jede 4. Frau und jeder 8. Mann erkrankt irgendwann in seinem Leben einmal an einer Depression. Und bei den Männern ist diese Zahl so anders, weil es so eine hohe Dunkelziffer gibt: sie lassen sich nicht helfen, schlucken alles herunter, sagen es niemandem, verstecken sich hinter Grimmigkeit, Aggression oder toben es beim Sport aus. Es sind vermutlich sogar mehr Männer als Frauen – sie geben es nur nicht zu.

Gerade erfolgreiche Männer leiden unter dem Anspruch, immer alles alleine bewältigen können zu müssen und gar zu oft steckt tief im Inneren ein kleiner verletzter Junge, der Schlimmes erlebt hat und der sich aufmachte, so erfolgreich zu werden, dass ihn niemand mehr so verletzen kann. Wenn dann plötzlich diese Gefühle kommen, wohin damit? Was tun damit? Sie haben keine Strategie außer Unterdrückung parat.

Die Schattenseiten unserer Zivilisation

In den vergangenen 50 Jahren haben Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung und Selbstverwirklichung enorm zugenommen. Sie sind die neuen wahren Werte, nach denen wir leben.

Wir sollen 24 h erreichbar sein, immer Multitasking-fähig sein, dürfen nichts verpassen, sollen immer gut drauf sein, gut aussehen. Wer es nicht ist, hat was falsch gemacht. Wir müssen dauernd Entscheidungen treffen. Die ganze Gesellschaft um uns herum scheint diese Werte geradezu einzufordern!

Was können Sie also tun?

20606435 s DramakisteWo und wie können Sie Verantwortung für Ihre Gesundheit und Ihr Glück übernehmen?

Nehmen Sie erste Anzeichen ernst:

  • Sie fühlen sich erschöpft, und Ihre Regenerationskraft hat nachgelassen
  • Sie schlafen schlecht ein oder schlecht durch
  • Sie haben öfter Kopfschmerzen, Magenprobleme, einen hohen Blutdruck

Geben Sie Ihre Verantwortung nicht an eine „Pille“ oder Ihren Arzt ab.

Nutzen Sie Ihre Fähigkeiten einmal FÜR SICH SELBST:

  • Planen Sie körperliche Aktivität und seien es lange, stille Spaziergänge allein!
  • Erlauben Sie sich Raum für einfaches SEIN. Auf der Parkbank sitzen und gerade aus schauen, ohne etwas zu tun, außer dem eigenen Denken beobachtend mit etwas Abstand zu folgen. Es ist immer beschäftigt und will Ihnen Gutes tun.

Was passiert bei Dauerstress im Körper?

Stressreaktionen laufen unbewusst und automatisch in unserem Körper ab. Wir müssen nicht nachdenken, wenn eine Gefahr auf uns zukommen, wir reagieren sofort! Wir haben keinen Einfluss auf die Höhe unsere Blutdrucks oder wann unser Adrenalinspiegel in die Höhe steigt, weil wir uns einer Gefahr ausgesetzt sehen.

Kritisch ist es für den Körper, weil dieser, wenn er nie wirkliche, echte, tief und genussvoll empfundene Erholungsphasen bekommt, ständig im “Hab-Acht-Modus“ bleibt. Genau dadurch wird echte Entspannung und Selbstwahrnehmung immer schwieriger. Wir programmieren also so unseren Stress und die Anspannung unbewusst regelrecht vor und geraten in eine Art „Teufelsspirale“ oder „Hamsterrad“, das immer schwerer anzuhalten ist.

Seien Sie einfach einmal ehrlich zu sich selbst, nach welchen Normen leben Sie wirklich?

Die Vorteile der neuen Technologien haben ihre Nachteile: wir erwarten von uns selbst ständige Erreichbarkeit, wollen immer alles richtig machen, lesen im Urlaub geschäftliche Mails, greifen morgens als erstes nach dem Handy, nehmen es sogar mit aufs Klo. Uns ist Funktionieren viel wichtiger als Sein und reines Sein fühlt sich aufgrund der beständigen Raserei im Kopf an wie reine Folter. Da hilft es schon eher, etwas zu tun. Und zwar etwas, das einem ein gutes Gefühl gibt. Und das ist gar zu oft der berufliche Erfolg.

Wie übernehmen Sie also bewusst Verantwortung für Ihre Entspannung?

  • 50532401 sWieviel Zeit haben Sie ganz ehrlich wirklich zur Verfügung? 
  • Wie oft ist Ihnen das wirklich realistisch möglich? Frustrieren Sie sich nicht durch zu hoch gesetzte Erwartungen!
    • regelmäßige Spaziergänge in der Natur
    • regelmäßige kurze Entspannungseinheiten
    • regelmäßiger Sport, Yoga, Hobby 
    • regelmäßige Atemtechniken von 10-30 Min Dauer
    • u.v.m.
  1. Planen Sie sie wie einen wichtigen geschäftlichen Termin im Kalender ein und behandeln sie diese Termine genauso!
    Sie sind nicht unwichtiger als die anderen!
  2. Finden Sie zuerst einmal heraus, womit Sie am besten entspannen. Was dem einen gefällt ist für den anderen unangenehm. Was macht Ihnen wirklich Freude?
  3. Beginnen Sie damit, alte Routinen aufzubrechen, und einmal alle 7 oder 14 Tage für 1-2 Stunden etwas ganz Neues zu tun, wohin zu gehen, wo Sie noch nie waren. 

Mein Wirkungskreis

Vorort in meiner Praxis
in Schifferstadt

Im Umkreis
Speyer, Ludwigshafen, Mannheim, Limburgerhof, Mutterstadt, Waldsee, Neuhofen, Böhl-Iggelheim, Hassloch

Großraum Rhein-Neckar
Heidelberg, Weinheim, Germersheim, Karlsruhe, Bensheim, Heppenheim, Landau/ Pfalz, Neustadt/Wstr., Grünstadt, Frankental, Worms, Viernheim.

 

 

Heilpraktiker für Psychotherapie
in Schifferstadt auf jameda