Newsletter 05/2026
Trauma und Grenzen: Die Rückkehr zur Selbstachtung
In den vergangenen Monaten haben wir Schritt für Schritt betrachtet, wie Heilung aus Trauma beginnt: über das Verstehen deines Nervensystems, über den vorsichtigen Kontakt zu deinem inneren Erleben und über den Körper als erstes Tor der Entlastung. Jetzt kommen wir zu einem Thema, das viele Menschen beschäftigt – und gleichzeitig oft am schwierigsten ist: Grenzen.
Vielleicht kennst du Situationen wie diese:
• Du sagst Ja, obwohl in dir ein klares Nein spürbar ist.
• Du fühlst dich schnell überfordert, weißt aber nicht genau, an welchem Punkt es „zu viel“ wird.
• Oder du spürst deine Grenze erst, wenn sie längst überschritten wurde.
Wenn dir das vertraut vorkommt, bist du damit nicht allein. Grenzen sind kein Charakterproblem. Grenzen sind ein Nervensystem-Thema – und ein Trauma-Thema.
Warum Grenzen nach Trauma so schwer spürbar sind
Trauma – besonders wiederholtes oder frühes Trauma – zwingt das Nervensystem oft in Überlebensreaktionen, die Grenzen verwischen:
• Anpassung (Fawn): "Ich mache es allen recht, um sicher zu sein."
• Erstarrung (Freeze): "Ich merke zu spät, dass etwas nicht stimmt."
• Übererregung: "Ich reagiere schneller, als ich fühle."
In solchen Mustern wird die innere Grenze nicht geachtet, weil sie nicht sicher war. Das System lernt: Überleben ist wichtiger als Selbstachtung. Doch während das früher sinnvoll war, wird es im Heute zu einer Quelle von Überlastung, Konflikten und Erschöpfung.
Was bedeutet es, Grenzen wiederzufinden?
Grenzen wiederzu finden heißt nicht, laut zu werden oder andere abzuweisen. Es heißt, langsam wieder Kontakt zu deinem inneren Maß zu bekommen. Dein Maß für Nähe. Dein Maß f ür Distanz. Dein Maß für Tempo, Gespräche, Arbeit, Verantwortung. Das Wiederfinden geschieht in kleinen, oft stillen Schritten:
• Ein kurzer Moment, in dem du bemerkst: "Das wird mir gerade zu viel."
• Ein liebevolles inneres Nein.
• Eine Pause, bevor du antwortest.
• Ein bewusster Atemzug, um zu spüren: "Was brauche ich jetzt?"
Grenzen sind nichts, was man "durchsetzt" – sie sind etwas, das man wieder spürt.
Ein kleiner Schritt für deinen Alltag
Wenn du in den kommenden Tagen mit einer Entscheidung oder Bitte konfrontiert wirst, schenke dir einen Moment und frage: "Geht das in meinem Tempo – oder überfordere ich mich gerade?"
Diese Frage stärkt nicht nur dein Nervensystem. Sie erinnert dich daran, dass deine innere Grenzeexistiert – und wichtig ist.
Einladung zur gemeinsamen Arbeit
Wenn du bemerkst, dass Grenzen für dich schwer spürbar sind, beginnt an genau dieser Stelle oft ein tiefer therapeutischer Prozess. In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, dieses innere Maß wiederzuentdecken – vorsichtig, ohne Druck, immer im Tempo des Nervensystems. Manchmal beginnen wir mit kleinen Regulationseinheiten, manchmal mit Körperwahrnehmung, manchmal mit konkreten Alltagssituationen. Jede Grenze zeigt etwas über deine Geschichte. Und jede neu gefühlte Grenze ist ein Schritt zu deiner Selbstachtung. Reguläre Termine kannst du jederzeit selbst über meinen Online-Kalender buchen. Bei Notfällen erreichst du mich per E-Mail – dafür halte ich eigene flexible Zeitfenster bereit.
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