Die Probleme der Kinder von Gastarbeitern/Arbeitsmigranten im heutigen Deutschland

Kinder von Migranten psychische Erkrankung TherapieVermehrt melden sich bei mir inzwischen die erwachsenen und mehr oder weniger gut integrierten Kinder ehemaliger Gastarbeiter/Migranten mit deutlichen Anzeichen von Angst- und Panikattacken, Depressionen und Burnout.

Deshalb möchte ich das Thema einmal ansprechen. Es handelt sich dabei oft, aber nicht nur, um gut ausgebildete Menschen, deren Eltern in ihrer Kindheit oder sogar vor ihrer Geburt durch Anwerbeabkommen von Deutschland mit ihren Heimatländern aus der Türkei, aus Italien oder aus Spanien, Kroatien, Jugoslawien, Griechenland, Marokko und dem Kosovo nach Deutschland kamen, um dort für sich und ihre Familien ein besseres Leben als zuhause zu finden. Viele blieben.

Sie wollten vor allem für sich und ihre Kinder ein besseres Leben, als es ihnen ihre geliebte Heimat bieten konnte. Sie wollten ihren Kindern bessere Ausbildungs- und Entwicklungschancen bieten, wie wir Deutschen sie hatten. Sie waren bereit, sehr hart dafür zu arbeiten und dies zu durchaus oft unfair niedrigen Löhnen. Sie trugen zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschland einen großen Teil bei.

Erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen 

Studien zeigen, dass Migranten und Geflohene ein doppelt bis sogar dreifach hohes Risiko tragen, an Depressionen oder Psychosen zu erkranken. Dabei spielen nicht nur ihre Erfahrungen mit Umzügen oder auf der Flucht eine entscheidende Rolle, sondern auch, wie sich das Leben im Einwanderungsland und die Integration gestaltete und wie ihre Eltern damit umgehen konnten.

 

Der Preis, den die Menschen deren Eltern vor 30, 40 oder 50 Jahren zahlen mussten, die für die erstrebte wirtschaftliche Sicherheit nach Deutschland gekommen sind, ist oft hoch:

  • Migrantenkinder PsychotherapieMigrantenkinder wurden vorläufig und teilweise jahrelang bei der Verwandtschaft geparkt und erlebten in frühester Jugend nicht nur ein, sondern gleich mehrere Trennungstraumata, wenn z.B. die Großeltern erkrankten, eine andere Bezugsperson hermusste, oder sie nach Jahren der Entfremdung plötzlich wieder bei ihren Eltern lebten, die sie nachträglich nach Deutschland holten. 
  • Mit jedem Umzug - und Klienten berichten von 5 bis 6 Umzügen in verschiedene Länder mit unterschiedlichsten Kulturen und Sprachen - wurden Verbindungen zu Freunden und Verwandten zerbrochen. Gestörtes Beziehungsverhalten bzw. eine unsicher vermeidende oder ambivalente Bindung sind eine der Hauptursachen für spätere Depressionen, Ängste und andere psychische Erkrankungen (John Bowlby). 
  • Sie konnten so kein Urvertrauen zu ihren Eltern entwickeln und lebten in konstanter Unsicherheit, was sich auch auf heutige Beziehungen auswirken kann, z.B. in Form von Angst verlassen zu werden.
  • Sie wuchsen in kinderreichen Familien auf und mussten sich früh um jüngere Geschwister kümmern, weshalb sie nie richtig Kind sein durften.
  • Sie wurden zuhause vernachlässigt, weil ihre Eltern buchstäblich Tag und Nacht arbeiteten, um den deutschen Lebens- und Leistungsstandard zu erreichen und die Kinder ihren Geschwistern überließen.
  • Sie wurden oft ohne Vorbereitung auf die deutsche Sprache in die Schule geschickt und es wurde erwartet, dass sie funktionieren. Sie wurden von Mitschülern gemieden, verlacht, ausgegrenzt, manchmal sogar von ihren Lehrern!

Gastarbeiter Kinder Therapie Trauma

  • Sie beneideten die deutschen Mitschüler, die es deutlich besser hatten als sie durch den Sprachvorteil, mehr Unterstützung fürs Lernen zuhause und bessere finanzielle Mittel.
  • Sie wurden durch Verachtung und Ablehnung in Deutschland einfach nur für ihr Anderssein traumatisiert.
  • In Folge dessen lernten sie ihren Selbstwert nur durch Leistung festzulegen und rutschen dadurch heute in die Burnout Schiene, die auch viele Deutsche quält.
  • In ihren Kulturen hatte man durchzuhalten und weiterzumachen, psychische Probleme wurden verlacht, unterdrückt, verleugnet und totgeschwiegen.
  • Sie wurden kulturell zerrissen, Ihre Eltern erwarteten, dass sie das Herkunftsland und seine Gebräuche über alles stellen, während sie in einer Gesellschaft aufwuchsen, die diese Traditionen nicht nur belächelt sondern auch ganz eigene, ganz andere Gesetze hat, die ihnen vielleicht auch besser gefielen, die sie aber zu ignorieren oder zu verachten hatten.
  • Sie sollten im eigenen Kulturkreis bleiben und konnten oder wollten es nicht. Manchmal lernten sie nie die Sprache der Eltern richtig. Das führte bei vielen zu weiteren Trennungstraumatisierungen und schlimmen Zerwürfnissen in der gesamten Familie.
  • Die aus Misch-Ehen hervorgegangenen Kinder haben es ebenfalls nicht leicht gehabt, sie haben oft ein anderes Aussehen, wurden auch dafür kritisiert, belächelt und ausgegrenzt und erlebten viele Konflikte und vielleicht auch Beziehungsbrüche, weil die kulturellen Prägungen der Eltern einfach nicht zusammen passend gemacht werden konnten. 

Welch ein Widerspruch, welche eine Zerrissenheit durch solche Herausforderungen entstanden ist, davon höre ich heute mehr und mehr. Und deshalb möchte ich meinen Lesern, die dieser Artikel anspricht oder die ihn an betroffene Freunde weiterleiten, Mut machen. Auch hier kann geholfen werden, auch wenn das Trauma oft tief sitzt. 

 

Am meisten mangelt es häufig am Selbstmitgefühl, das sie einfach niemals lernten.

Ein einfaches Anerkennen der Herausforderungen, mit denen Kinder von Migranten täglich konfrontiert waren und sind, kann schon Wunder bewirken.

Selbstfreundschaft und Selbstmitgefühl (kein Selbstmitleid) sind die heilendsten Wege für einen anderen Umgang mit den Auswirkungen der erlebten Traumata auf das heutige Leben und wirken umgehend, sanft und aufbauend. Jeder Mensch kann sich damit selbst helfen lernen und manchmal braucht es gar nicht so viel Therapie, um diesen Weg einschlagen. Jeder kann lernen Mitgefühl für sich zu entwickeln und dann die weiteren Schritte selbst gehen. So dass nur für den akuten Bedarf bei Herausforderungen Unterstützung notwendig ist. 

Viele Menschen können sich das gar nicht vorstellen - dass sie selbst in der Lage sind, für sich das zu tun, wozu niemand anders in der Lage ist. Dass Sie sich selbst die Freiheit geben können.

 

So lernen Sie Selbstmitgefühl 

Kostenlose Übungen auf meinem YouTube Kanal

Ich stelle hierfür zur sofortigen Anwendung kostenlos regelmäßig neue Selbstmitgefühls-Übungen auf meinem YouTube-Kanal zur Verfügung.

 

Außerdem habe ich an anderer Stelle schon mehrere Buchtipps veröffentlicht, die ich hier noch einmal aufliste:

Kristin Neff: Selbstmitgefühl

Wilhelm Schmid: Selbstfreundschaft

Byron Katie: Lieben was ist

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers

 

Quellen:

https://www.buchimpressionen.de/wp-content/uploads/2019/04/Migration_Depression.pdf

https://www.swr.de/swr2/programm/broadcastcontrib-swr-31566.html

https://www.aerztezeitung.de/Politik/Migration-drueckt-auf-die-Psyche-287915.html

 

 

 

Mein Wirkungskreis

Vorort in meiner Praxis
in Schifferstadt

Im Umkreis
Speyer, Ludwigshafen, Mannheim, Limburgerhof, Mutterstadt, Waldsee, Neuhofen, Böhl-Iggelheim, Hassloch

Großraum Rhein-Neckar
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Heilpraktiker für Psychotherapie
in Schifferstadt auf jameda