Eine Empfehlung und Rezension über das Buch: Die Wolfsfrau

Vor über 30 Jahren habe ich begeistert den Weltbestseller "Die Wolfsfrau" gelesen, ein Buch für Frauen! Clarissa Pinkola Estés spricht in ihrem Buch überwiegend Frauen an, es gibt aber auch begeisterte männliche Leser.  

die wolfsfrau Buch rezensionÜber die Autorin 

Clarissa Pinkola Estés, Jahrgang 1943, ist mexikanischer Herkunft und wurde als Kind von ungarischen Emigranten adoptiert. Sie hat in Ethnologie und klinischer Psychologie promoviert und ist als Jungianische Psychoanalytikerin tätig. Ihr Buch "Die Wolfsfrau" wurde in den USA über Nacht zum Kultbuch und weltweit zum Bestseller. Clarissa Pinkola Estés lebt in Wyoming und Colorado, wo man sie wegen ihrer erzählerischen Begabung mit dem Titel "Cantadora" (Märchenerzählerin) auszeichnete.

Sie war zwanzig Jahre als Psychoanalytikerin tätig und lebt in Wyoming oder Colorado. Für sie sind Geschichten Seelen-Medizin. In Sagen, Mythen und Märchen steckt in verschlüsselter Form ein Urwissen um die innersten Zusammenhänge aller Dinge. Darum sind diese Überlieferungen immer aktuell und können in jede Zeit übersetzt werden. Das zunehmend künstliche Leben in unserer Zivilisation greift die Seele und die ursprüngliche Natur des Menschen empfindlich an. Viele körperliche und psychische Krankheiten zeigen wie eine rote Warnlampe an, daß unsere Seele krankt. Geschichten können ein Weg sein, um wieder Zugang zu unserem im Unbewußten vergrabenen oder verdrängten Selbst zu finden und die Energien frei werden zu lassen, die einen gesunden, kreativen und lebensfrohen Menschen ausmachen.

In ihrem Buch "Die Wolfsfrau", in dem es um die Kraft der weiblichen Urinstinkte geht, beschreibt sie u. a. , wie leicht seelisch ausgehungerte Frauen in Fallen tappen, die sie ins Verderben, d. h. in ein zwanghaftes Verhalten führen können. Sie zeigt aber ebenfalls, wie man das Scheitern nutzt, indem man daraus lernt, ein sinnvolles Leben zu führen.

Wichtige Fragen im Buch

Was ist aus meiner Seele geworden? Was in mir ist kaputt, abgestorben oder droht, abzusterben, wenn ich soweitermache? Welche Grundbedürfnisse liegen inzwischen unter Sanddünen begraben? Wie steht es mit meiner Beziehung zum wilden, instinktiven Selbst? Wann bin ich zum letzten Mal frei und laut lachend einem unbekannten Horizont entgegengelaufen? Was sagt die Stimme meiner Seele in diesem Augenblick? Singt sie die herrlichen Schöpfungshymnen oder verstummt sie immer mehr? Wie mache ich das Totgeglaubte wieder lebendig in mir, in meinem Haus und meiner Umwelt? Wo ist die Wolfsfrau in mir? Geht es ihr gut?" (Wolfsfrau, S.49)

Wege zum Selbst über das Märchen

Die Autorin ist davon überzeugt, in jeder Frau lebt auch eine freie, wilde und ursprüngliche Wolfsfrau, Sie ist die Hüterin der weiblichen Urinstinkte und des intuitiven Wissens um das, was falsch und was richtig ist. Sie kennt die Antwort auf alle diese Fragen, von denen uns ja gerade die gesellschaftliche Grundhaltung scheinbar immer abschneiden will. Und damit kam und kommt so manch eine Frau gerade heute von ihrem eigenen Weg eines erfüllenden Daseins ab.

Sie stellt in ihrem Buch Märchen und Mythen aus den verschiedensten Regionen der Welt vor und erzählt sie uns mit viel Phantasie und kraftvoller Sprache. Mit der Deutung Ihrer gesammelten Erzählungen beleuchtet sie tiefe und allgemeingültige Inhalte stellt hochinteressante Zusammenhänge zwischen der Handlung im Märchen und unserem heutigen Erleben her.

In eindrucksvollen Bildern beschreibt sie einen Weg, den jeder gehen kann, um zu einem selbstbestimmten, freien und glücklichen Leben zu finden. So erscheint der mühsame Weg des Reifens durch ihre symbolträchtigen, farbenfrohen und feurigen Schilderungen wie eine Abenteuerreise.

 

Zwei der Märchen finde ich besonders nachhaltig beeindruckend!

Das 1. Märchen: Die Roten Schuhe

Rote Ballarinas WolfsfrauAusgangspunkt für das Kapitel "Selbsterhaltung: Fallen, Käfige und giftige Köder erkennen" ist ein Sagenstoff, der unter verschiedenen Titeln, z. B. "Die Tanzschuhe des Teufels" oder "Die roten Teufelsschuhe" bekannt ist. Die ungarisch-germanische Version, die die Autorin verwendet, gebe ich hier in gekürzter Form wieder: 

Ein armes Waisenkind ging zerlumpt und barfuß durch die Welt. Es besaß nicht einmal ein Paar Schuhe. Sie sammelte am Wegrand rote Fetzen und nähte sich eigene, ungelenke Schuhe daraus. Doch gerade deshalb gefielen sie dem Mädchen sehr gut und es fühlte sich damit einfach wundervoll.

Eines Tages, als die die Kleine ihrer Wege ging, hielt eine goldene Kutsche neben ihr und eine alte Frau bot ihr an, sie bei sich aufzunehmen. Natürlich ließ sie sich darauf ein. Von der alten Frau bekam sie dann wundervolle neue Kleider und Schuhe. Aber dafür musste sie jetzt immer stillsitzen, durfte nicht mehr wild umher hüpfen und nur dann etwas sagen, wenn sie auch gefragt wurde. Als sie nach ihren selbst geschusterten roten Schuhen fragte, sagte man ihr, dass man sie mitsamt den alten Lumpen verbrannt worden hätte, weil sie der alten Frau so missfielen. Das Mädchen war darüber sehr traurig, denn die Schuhe, die es mit eigenen Händen gemacht hatte, waren ihm trotz des Wohlstands um sie herum noch immer die allerliebsten gewesen.

Zur einem Fest benötigte sie neue Schuhe und so gingen Sie zu dem verkrüppelten Schuster in der Stadt. Dieser hatte tatsächlich ein Paar leuchtendrote Schuhe der richtigen Größe im Regal stehen. Das Herz des Mädchens hüpfte vor Glück, als sie diese erblickte. Die alte Dame war farbenblind - doch rote Schuhe wären für sie nie in Frage gekommen. Und so kaufte sie das rote Paar; schließlich passten sie dem Mädchen. 

Beim Fest fielen die Schuhe sehr auf. Die ganze Gemeinde starrte auf die rot glänzenden Schuhe und die Leute zerrissen sich die Mäuler darüber. Während ds Mädchen sich voller Unschuld freute, weil es für sie kaum etwas Schöneres geben könnte als diese sie an ihre eigenen erinnernden Schuhe, verbot ihr die alte Frau, sie jemals wieder anzuziehen.

Nun ja, kleine Mädchen sind nicht immer artig und so konnte sie dieser Versuchung nicht widerstehen und trug die Schuhe beim Kirchgang am nächsten Sonntag wieder. Am Eingang stand ein rotbärtiger verletzter Soldat, der dem Mädchen den Staub von den Schuhen klopfte. Er raunte: "Behalte sie an, bis der Tanz beginnt." Beim Verlassen der Kirche rief er ihr noch einmal nach, was sie für hübsche Tanzschuhe hätte, worauf sie eine kleine Pirouette drehte. Danach konnten ihre Füße nicht mehr aufhören, sich um- und umzudrehen. Sie tanzten durch Blumenbeete, über den Friedhof, durch Felder und Wiesen. Doch der Kutscher der alten Dame fing das Mädchen wieder ein und diese verbot ihm nachdrücklich, die Schuhe jemals wieder anzurühren.

Dann wurde die alte Frau krank und bettlägerig. Und dann kam das Mädchen in Versuchung und holte seine Ersatz-Schuhe wieder aus dem Schrank. Sie dachte, es könne doch nichts schaden, sie einmal überzustreifen. Doch kaum, dass es sie an den Füßen hatte, konnte sie nicht mehr aufhören zu tanzen: zur Tür hinaus, über die Dorfstraße und einen schlammigen Feldweg in den Wald. Erst gab sie sich dem hin, doch als sie bemerkte, dass sie nun plötzlich keinen Einfluss mehr auf die Schuhe hatte, da wurde ihr Angst und Bang. Sie konnte die Schuhe nicht ausziehen, und so tanzte sie Tag und Nacht, durch Regen und Sonnenschein. In einem Kirchhof begegnete dem armen Mädchen ein Geist, der sie verfluchte, dass sie so lange tanzen sollte, bis nur noch ihre Innereien übrig wären.

Schließlich war sie so vollkommen erschöpft, dass sie den Scharfrichter anflehte, bei dem sie vorbeikam, er solle ihr die Schuhe abschneiden. Als diese sich aber nicht von ihren Füßen lösten, bat sie ihn, ihr die Füße abzuhacken. Und dann tanzten die grausamen roten Schuhe mitsamt ihren Füßen einfach weiter. Und sie musste sich fusslos als Dienstmagd verdingen. Aber die Sehnsucht nach den roten Ersatz-Schuhen, die war für immer dahin!

Interpretation

So erklärt das Märchen, wie viele Frauen in ihrem Leben in bestimmten Bereichen in ein Zwangsverhalten geraten , das sie nur schwer ablegen können. Und nicht nur Fraugen wohlgemerkt! Das Märchen zeigt sehr drastisch, was passiert: frau ist nicht mehr selbständig und hat es selbst verursacht: hier lässt sie sich die Füsse mit den Schuhen abhacken!

Das Märchens macht die Fallen bewusst: Der Preis der angepassten Sicherheit. Das bequeme Leben, das das Mädchen in der sicheren Obhut der alten Frau erwartet, ist sehr verlockend. Doch ohne es zu merken, zahlt sie einen hohen Preis und begibt sich in eine Art Gefängnis. So geht es vielen Frauen, die zu einer Zeit, in der sie es nicht besser wissen, ein folgenschweres Versprechen ablegen.

Der Verlust der selbst geschusterten Schuhe zeigt genau was es bedeutet, den ureigensten Lebensstil und seine Bewegungsfreiheit zu verlieren. Gezähmt und gebändigt gehen natürliche Vitalität und instinktives Gespür für richtig und falsch verloren; und dann entsteht zum Ausgleich ein unstillbares, sich verselbständigendes Verlangen nach exzessiver Lebensfreude. Genau dieser Seelenhunger treibt viele Frauen an, nach allem zu greifen, was dem verlorenen Schatz ähnelt. Sie möchten das Versäumte nachholen. Dabei ist die Gefahr groß, bei Ersatzbefriedigungen zu landen, die nur noch ein triebhaftes, schnelles und keineswegs erfüllendes, irgendwie billiges Glück bedeuten.

So manch eine beginnt dann ein Doppelleben. Aber ihre eigentlichen Bedürfnisse können schon lange nicht mehr wirklich gestillt werden. Eine instinktverletzte oder überdomestizierte Frau hat große Schwierigkeiten damit, diese wahrzunehmen. Sie merkt nicht, wann es Zeit ist zu fliehen, wann Vorsicht und Misstrauen geboten sind, kann nicht um Hilfe bitten usw. Sie kann nicht mehr in die Natur, und sich dort erholen! 

Das Mädchen versucht, brav zu sein und die Schuhe nicht anzurühren, d. h. ohne seelische Befriedigung auszukommen. Doch das gelingt ihr nicht. Etwas Unbewusstes in ihr beginnt innerlich zu rebellieren und zwingt sie fast, die verbotenen Schuhe öffentlich darzustehen, sie ist wie süchtig danach geworden.

Der verwundete Mann meint es nicht wirklich gut mit ihr sondern löst durch das Klopfen auf die Schuhsohlen erst ihre zwanghaftes Tanzen aus: sie will anderen gefallen, weil sie sich selbst nicht mehr gefällt. Es ist keine echte Lebensfreude, sondern der Mangel daran, der sie hetzt. Und am Ende muss sie sich extrem schmerzhaft von den Schuhen und ihrem damit zusammenhängenden Zwangsverhalten trennen. Erst dann kann sie wieder lernen, auf ihre eigene Stimme zu hören und ihren ureigensten, natürlichen Instinkten zu vertrauen.

Dieses allzu bekannte als Kaufsucht und Gefallsucht bekannte Verhalten beginnt damit, dass eine Frau ihr selbstgestricktes und daher sinnvolles Leben aufgibt und sich dann auf Dinge fixiert, die dem Verlorenen ähneln. Damit sie wieder zu ihren angeborenen Urinstinkten zurückfindet, die ihr zu einem kraftvollen und glücklichen Leben verhelfen können, muss sie sich weigern, in Gefangenschaft zu leben. Verletzte und abgestumpfte Instinkte sind heilbar. Doch nur wenn eine Frau die anerzogene Rolle des Lieb-, Nett- und Angepasstseins aufgibt und ein gesundes Maß an "Wildheit" zulässt, kann sie aufwachen und wieder "sehend" werden.

 

Das zweite Selbstliebe-Märchen, die Skelettfrau habe ich bereits hier vorgestellt!

Mein Wirkungskreis

Vorort in meiner Praxis
in Schifferstadt

Im Umkreis
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Großraum Rhein-Neckar
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Heilpraktiker für Psychotherapie
in Schifferstadt auf jameda