Welchen Einfluss hat eigentlich unsere Kindheit auf unser Handeln? einfühlsame trauerarbeit

Immer wieder höre ich die Frage von Klienten nach einigen Sitzungen: Ist denn wirklich nur meine Kindheit an meinem derzeitigen Problem schuld?

Seit Sigmund Freud wissen wir, dass die Erlebnisse unserer Kindheit uns zu dem machen, was wir heute sind. Naturgemäß prägen uns unsere Eltern meist zuerst, damit wir überleben, uns einmal selbst versorgen und selbst Kinder haben und erziehen können. Deshalb gehört Kindererziehung zu den größten Aufgaben, denen wir uns stellen können. (Und ganz wichtig: kein Mensch kann IMMER ALLES richtig machen!)

Deshalb hier der Versuch einer möglichst einfachen Erklärung anhand einiger typischer Beispiele:

Beispiel 1: Mangelnde Aufmerksamkeit und Zuwendung

Ein Kind, das nicht genug Zuwendung erhält, kann unter vielen Strategien wählen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, z.B.: 

  • Trotz und Aufsässigkeit, um im Mittelpunkt zu stehen
  • Anpassung und Fleiß, um Lob zu erhalten
  • Erfindungsreichtum, um aufzufallen
  • sich unsichtbar machen, um nicht (negativ) aufzufallen
  • u.v.m
Beispiel 2: genügend Liebe und Zuwendung

Hingegen wird ein Kind, das genügend echte Liebe und Zärtlichkeit, Zuwendung und Unterstützung erfahren hat, meist ein Mensch, der gerne liebt, zärtlich ist, sich gerne zuwendet und andere auch zu unterstützen weiß. 

Beispiel 3: Verwöhnte Kinder

Kinder, die aufgrund von Nichtwissen oder Bequemlichkeit der Eltern scheinbar alles bekommen, keinerlei materiellen Mangel erleiden, niemals Konsequenzen erfahren, keine wirkliche Anleitung bekommen, ständig ohne Grund gelobt und in den Himmel gehoben werden, können folgende Verhaltensweisen entwickeln: 

  • Überzogene Anspruchshaltung - es muss immer so sein und bleiben
  • totaler Egoismus - ich bin der Mittelpunkt der Welt und alles dreht sich um mich, ich komme zuerst dran
  • Verständnislosigkeit - für die Probleme anderer
  • Mangelnde Kritikfähigkeit am eigenen Verhalten - sie verstehen jede Korrektur als Angriff
  • Übermäßige Kritik und Schuldzuweisungen an andere - immer sind die anderen schuld

u.v.m.

Beispiel 4: Kinder besonders erfolgloser Eltern

Die Kinder solcher Eltern haben die Wahl, es genauso oder ganz anders zu machen. Haben sie wirklich schwer unter ihrer sozialen Herkunft gelitten, so wählen Sie häufig einen gegenteiligen Weg, und zwar über Leistung und Anstrengung:

  • besondere Leistung in der Schule und Studium 
  • erhöhte Ansprüche an sich selbst und andere
  • besondere Ordnungsliebe
  • Helfersyndrom für Menschen, denen es ähnlich geht

um nur einige zu nennen.

Insbesondere die Bindung zu den Eltern prägt unser Beziehungsverhalten:
  • Kinder besonders fürsorglicher Mütter werden häufig besonders freiheitsliebend
  • Kinder Alleinerziehender suchen lange verzweifelt nach einer "perfekten" Beziehung, bis sie verbittert aufgeben
  • Jungs, die ohne männliches Vorbild aufwachsen, haben Schwierigkeiten in der Definition ihrer Männlichkeit
  • Mädchen, die keine liebevolle Bindung zum Vater haben, tun sich schwer in Bindungen zu Männern

und vieles mehr.

Grundlegend wählen wir zuerst einmal zwischen Zustimmung oder Widerstand. Die Zustimmung ist oft unbewusst, denn sie wird von unserem Überlebenstinkt bestimmt. Es ist für das Kind scheinbar leichter, den Fehler bei sich, als bei den Eltern zu suchen. Irgendwann jedoch, hat sich diese vermeintliche Schuld verselbständigt. Dann kann der Erwachsene mit einem Beziehungsproblem sich nicht mehr erinnern, wann, wo und wie er zu seinem Verhalten gekommen ist. Wer nicht weiss, warum er oder sie handelt, kann auch nicht herausfinden, wie er dieses Verhalten ändern kann. 

Vorprogrammierte Erwartungen und Enttäuschungen

So erlebe ich häufig tiefe Enttäuschungen zwischen Partnern, deren Erwartungen aus der Kindheit stammen, z.B.

  • Meine Eltern arbeiteten immer nur und hatten nie Zeit. Ich erwarte von meinem Partner, dass er IMMER Zeit für mich hat und bin zutiefst gekränkt, wenn er das nicht merkt.
  • Meinem Vater waren seine Töchter egal, deshalb fühle ich mich von fürsorglichen Männern schnell eingeengt und bevormundet und fange Streit an oder verlasse sie.
  • Meine Mutter hat mir immer nur gesagt, wie blöd ich bin. Ich gehe automatisch immer davon aus, dass ich an allem schuld bin, was schief geht. Das nimmt mir jedes Selbstvertrauen.
  • Meine Eltern waren einander immer treu, das erwarte ich von meinem Partner auch. Wenn er fremdgehen sollte, werde ich das nie überwinden.
  • Mein Vater war Alkoholiker, meine Mutter war kalt und lieblos, sie zog meinen Stiefvater und Stiefbruder vor. Ich fühle mich nur von Frauen angezogen, bei denen ich immer seelisch hungrig bleibe nach wahrer Nähe. um nur einige zu nennen.

Sehen Sie bitte ein solches Aufdecken nicht als reine Schuldzuweisung. Es geht dabei viel mehr darum, den eigenen Gefühlen, die man in der Kindheit unterdrücken musste, erst einmal Raum für Ausdruck zu geben und zu lernen, für diese Gefühle auch Verantwortung zu übernehmen. In einer wirklich guten Therapie stellt sich zwar auch ein Verständnis für die Eltern ein, jedoch ist dieses frei davon, das eigene Wahrnehmen dafür unterdrücken zu müssen. Wenn beide Wahrnehmungsebenen nebeneinander stehen können, ist der Individuationsprozess und somit die Heilung möglich.

Fotolia 7963537 XS Paartherapie

 

Ich verfolge hier bestimmte Grundsätze:

Meine Patienten sind erwachsen und haben das Recht auf Ihre Meinung. Ich urteile nicht über sie und ihr Problem. Ich helfe Ihnen, es selbst zu lösen, indem ich mit jedem einzeln im Beisein des anderen arbeite. Erkennt man, dass der andere gar nicht meinte, was man selbst als feindselig, lieblos, kalt oder unfreundlich interpretierte, löst sich so manch ein Stressor von ganz allein. So manch ein Paar kommt finster die Tür herein und geht Arm in Arm wieder hinaus!

Übrig bleibt häufig, eine neue und liebevollere Kommunikation miteinander zu lernen. Mein Tipp: Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Sie finden hierzu genügend Literatur, Hörbücher und Beispiele auf Youtube. Es geht nun darum, herauszufinden, ob die eigene Wahrnehmung überprüft und verändert werden kann. Dabei tun Sie nur, was in Ihr Weltbild passt!

Versuchen Sie es, wenn es brennt. Hier informieren Sie sich über die häufigsten Fragen vor einem ersten Termin oder vereinbaren Sie einfach gleich einen Online-Termin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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